Vollständiger Umorganisationsverzicht für Selbstständige und Freiberufler sinnvoll?
Ein mutiger Schritt mit Licht und Schatten
Nun streicht die Condor diese Klausel ersatzlos und es gibt sogar Stimmen am Markt, die behaupten, dass man die Condor BU nun als Versicherungsmakler zwingend in jeder Beratung anbieten muss, weil Sie als Kunde sonst nicht umfassend und bedarfsgerecht beraten werden.
Stimmt das? Dazu müssen wir insgesamt zwei Fragen stellen:
- Ist es generell ein Mehrwert, wenn auf die Regelung zur Umorganisation verzichtet wird?
- Hat die Condor Schwächen im Tarif, die wir gegenüber dieser Regelung in die Waagschale werfen sollten?
Genereller Mehrwert?
Die Durchführung einer Umorganisation im Fall der Berufsunfähigkeit ist insbesondere ein Thema für größere Unternehmen. Einmal, weil es bei kleinen Unternehmen schwer bis gar nicht möglich ist, und außerdem, weil die meisten Versicherungen bis zu fünf Mitarbeitern zusätzlich auf diese Möglichkeit verzichten.
In größeren Betrieben ändert sich die Rolle der Inhaber häufig in Richtung unternehmerische Tätigkeiten: Organisieren, Planen, Personalentscheidungen usw. Auch hier wird es schwer, im Fall der Berufsunfähigkeit eine andere Tätigkeit zu finden, die die erforderlichen Kriterien erfüllt: vergleichbares Ansehen und keine erheblichen Einkommenseinbußen.
Mit anderen Worten: Das Szenario, dass es zu einer Umorganisation kommt, ist ohnehin nicht so groß, wie man meinen könnte. Dies bestätigt auch meine Rückfrage bei Berufsunfähigkeitsversicherungen: Die Anzahl der tatsächlich durchführbaren Umorganisationen bewegt sich im unteren einstelligen Bereich – nicht in Prozent, sondern absolut.
Aber natürlich ist es immer wünschenswert, wenn die BU-Leistung schneller und ohne 'Wenn und Aber' bezogen werden kann. Daher will ich die Streichung dieser Möglichkeit durch die Condor BU auch nicht in Abrede stellen.
Wie sieht der Mehrwert konkret im Fall der BU-Versicherung der Condor aus?
Bei einem guten Absicherungskonzept für den Fall einer Berufsunfähigkeit sollte immer auf mehr als nur eine bestimmte Klausel geachtet werden:
- Die BU-Profi MUST HAVES sollten vollständig erfüllt sein – das ist bei der Condor der Fall.
- Die Risikoprüfung hat sich gebessert, ist aber im Marktvergleich teils noch schwächer.
- Die maximale Rentenhöhe liegt bei nur 80% des Nettoeinkommens – zu wenig.
Beim letzten Punkt kann man legal nachhelfen, z.B. durch Aufteilung auf zwei Versicherer. Wenn zuerst bei der Condor unter 80% des Nettoverdienstes abgesichert wird und danach bei einem Anbieter, der 60% des Bruttos erlaubt, ergänzt wird, kann dennoch ein solides Absicherungsniveau erreicht werden.
Aber: Die spätere Beitragsdynamik ist bei der Condor auf 5.000 € BU-Rente gedeckelt. Das kann bei jungen, gut verdienenden Kunden schnell zu wenig sein.