Inhaltsverzeichnis

    Ehrliche Marktübersicht

    Gibt es eine BU-Versicherung komplett ohne Gesundheitsfragen?

    Kurz zusammengefasst: Nein, eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung komplett ohne Gesundheitsfragen gibt es in Deutschland nicht. Es gibt allerdings drei Möglichkeiten, die dem nahekommen, jeder für eine eng definierte Zielgruppe: die Dienstobliegenheitserklärung für einige Heilberufe, Wartezeit-Modelle mit bis zu 400 Euro Absicherung im Rahmen einer Altersvorsorge und der Wechsel von einer BU-Option in einen vollwertigen BU-Vertrag. Für alle anderen ist eine BU-Versicherung mit vereinfachten Gesundheitsfragen fast immer der bessere Weg, mit voller Rentenhöhe und ohne Wartezeit.

    Jeder Versicherer prüft das Risiko vor Vertragsabschluss. Würde er darauf verzichten, würden vor allem bereits erkrankte Menschen abschließen, und das würde die Beiträge der Versicherung unkalkulierbar und enorm teuer machen. Wer Ihnen im Internet eine 'BU ohne Gesundheitsfragen' verspricht, meint deshalb in Wahrheit immer einen der Wege auf dieser Seite oder er verkauft Ihnen ein anderes Produkt, das keine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung ist. Genau diese Unterscheidung machen wir hier transparent.

    Anders als bei den Aktionen mit vereinfachten Gesundheitsfragen handelt es sich bei keinem der folgenden Wege um ein befristetes oder beworbenes Sonderangebot, sondern um dauerhafte Alternativen zur normalen Risikoprüfung, die jeweils nur für eng definierte Zielgruppen oder mit klaren Einschränkungen gelten.
    Der Grund dafür liegt in der Kalkulation: Nach 8 bis 10 Jahren Vertragslaufzeit ist die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, bei Kunden mit und ohne Gesundheitsprüfung nahezu identisch, weshalb sich Versicherer dieses erhöhte Risiko nur für eng begrenzte Zeiträume oder Zielgruppen leisten können. In unserer vollständige Herleitung der Kalkulation einer Berufsunfähigkeitsversicherung im Vergleich mit und ohne Gesundheitsprüfung erklären wir Ihnen die Zusammenhänge detailliert. 

    Unserer Erfahrung nach wünschen sich viele Interessenten den BU-Abschluss ganz ohne Gesundheitsfragen. Nach ausführlicher Beratung stellen wir dann jedoch in ca. 9 von 10 Fällen fest, dass der Abschluss entweder über eine BU-Aktion mit (stark) vereinfachter Gesundheitsprüfung oder sogar mit regulären Gesundheitsfragen nach einer professionellen Risikovoranfrage möglich ist. 

    Dienstobliegenheitserklärung

    Wie kommen Heilberufe ganz ohne Gesundheitsfragen zur Absicherung?

    Kurz zusammengefasst: Bei der Dienstobliegenheitserklärung ersetzt eine kurze Erklärung über die zurückliegende Arbeitsfähigkeit die kompletten Gesundheitsfragen. Dieser Weg steht in der Regel im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) zur Verfügung. Für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Medizinstudenten bieten wir darüber hinaus unser eigenes, exklusives BU-Profi Heilberufe-Konzept an. 

    Statt Gesundheitsfragen zu beantworten, bestätigen Sie bei der Dienstobliegenheitserklärung lediglich, dass Sie in einem definierten zurückliegenden Zeitraum, zum Beispiel in den letzten 12 oder 24 Monaten, nicht länger arbeitsunfähig waren und aktuell uneingeschränkt Ihre Arbeit ausüben. 

    Unser BU-Profi Heilberufe-Konzept für Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Medizinstudenten funktioniert nach demselben Prinzip einer Erklärung statt vollständiger Gesundheitsfragen. Wie genau diese Erklärung formuliert ist und welcher Versicherer dahintersteht, erfahren Sie im persönlichen Gespräch: Wir vermitteln dieses Konzept exklusiv und veröffentlichen die Details bewusst nicht. Mehr zu unseren Konzepten für Heilberufe lesen Sie auf unserer Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte mit vereinfachten Gesundheitsfragen. 

    BU-Profi Heilberufe-Konzept im Gespräch prüfen

    Unser Urteil: Von den beiden Wegen in diesem Block führt nur unser BU-Profi Heilberufe-Konzept zu einer vollwertigen BU-Rente ganz ohne Wartezeit und ohne Gesundheitsfragen, allerdings ausschließlich für die eng definierte Zielgruppe dieser vier Heilberufe. Die allgemeine, nicht-exklusive bAV-Dienstobliegenheitserklärung ist breiter verfügbar, aber an eine bestehende betriebliche Altersvorsorge gebunden. Das bedeutet, dass Ihr Arbeitgeber eine solche Lösung für alle Mitarbeiter aushandeln muss. Für alle außerhalb dieser Zielgruppen, insbesondere auch für Beamte, ist keiner der beiden Wege eine Option.

    In unserer Beratungspraxis wird das BU-Profi Heilberufe-Konzept von vielen Kundinnen und Kunden aus diesen Berufsgruppen gewählt, weil es erheblich einfacher ist im Vergleich zur vollständigen Aufbereitung aller Gesundheitsfragen.

    Beitragsübernahme bis 400 Euro

    Welche BU ohne Gesundheitsfragen gibt es mit Wartezeit?

    Kurz zusammengefasst: Über Wartezeit-Modelle im Rahmen der Beitragsübernahme einer Rentenversicherung lassen sich ohne Gesundheitsfragen in der Regel bis zu 250 Euro monatlich absichern, bei einzelnen Anbietern sogar bis zu 400 Euro. Der Preis dafür ist meist eine Wartezeit von drei Jahren, bevor der volle Schutz greift. Die Helvetia macht eine Ausnahme: Hier sind 250 Euro monatliche Beitragsübernahme in der Rentenversicherung ohne Wartezeit möglich, dafür allerdings gegen die Bestätigung, dass Sie innerhalb der letzten 24 Monate nicht länger als 14 Tage zusammenhängend krankgeschrieben waren.

    Diese Modelle funktionieren über dasselbe Kalkulationsprinzip, das eingangs beschrieben ist: Der Versicherer verzichtet auf die Gesundheitsfragen und schließt dafür die risikoreichsten ersten Jahre ganz oder teilweise vom Schutz aus. Drei Varianten sind am Markt relevant:

    Bei der klassischen Beitragsübernahme einer Rentenversicherung übernimmt der Versicherer im Fall der Berufsunfähigkeit den Beitrag Ihres Vertrags, in der Regel bis zu 250 Euro monatlich. Die Bayerische und die BarmeniaGothaer bieten sogar bis zu 400 Euro Beitragsübernahme nach einer Wartezeit von drei Jahren, das ist der Bestwert am Markt. Bei einzelnen Angeboten erhöht sich der übernommene Beitrag im Leistungsfall zusätzlich um 3% oder 5% jährlich, ähnlich einer garantierten Rentensteigerung.

    Die LV 1871 bietet eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung bis 250 Euro Monatsrente ganz ohne Gesundheitsfragen, mit drei Jahren Wartezeit. Voraussetzung ist ein hinterlegter Vertrag, der im Leistungsfall vom Beitrag befreit werden soll, das kann ein Darlehen sein, ein Fondsdepot oder eine private Rentenversicherung.

    Die Helvetia (ehemals Baloise) bietet die Beitragsübernahme der eigenen Rentenversicherung bis 250 Euro mit lediglich einer einzigen Dienstobliegenheitserklärung, dafür ganz ohne Wartezeit. Streng genommen ist das keine Lösung komplett ohne Fragen, aber die ehrlichste Zwischenstufe am Markt: eine Erklärung gegen null Wartezeit.

    Unser Urteil: Wartezeit-Modelle sind kein Ersatz für eine vollwertige BU-Rente, mit 250 bis 400 Euro monatlich decken sie keinen Lebensunterhalt. Ihr sinnvoller Einsatz ist ein anderer: als Baustein, wenn gesundheitlich gar nichts anderes mehr geht, oder als Absicherung einer konkreten Zahlungsverpflichtung wie eines Darlehens.

    In unserer Beratung spielt die Beitragsübernahme für die Altersvorsorge bei Berufsunfähigkeit eine große Rolle, denn der BU-Fall sollte auch für die Altersvorsorge nicht zum Hindernis werden. Da von der Berufsunfähigkeitsrente Abzüge für Steuern und Krankenversicherung anfallen und zusätzlich die durch den BU-Fall wegfallenden eigenen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder zum Versorgungswerk aufgefangen werden müssen, bleibt in vielen Fällen nicht ausreichend Geld übrig, um die private Altersvorsorge fortzuführen, geschweige denn jährlich zu erhöhen. Diese Herausforderung lässt sich über die Beitragsübernahme bei Berufsunfähigkeit ohne Gesundheitsfragen sehr gut und unkompliziert lösen.

    BU-Option in Kinder- und Grundfähigkeitsversicherungen

    Wie lässt sich eine BU ganz ohne Gesundheitsfragen neu abschließen?

    Kurz zusammengefasst: Eine BU-Option ist ein in einem anderen Vertrag eingebettetes Recht, später eine eigenständige, vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung ohne erneute Gesundheitsfragen abzuschließen. Diese Option findet sich vor allem in Grundfähigkeitsversicherungen und in speziellen Kinderrenten, die teilweise schon ab der Geburt abschließbar sind.

    Wichtig zur Einordnung: Eine spätere Erhöhung einer bereits bestehenden BU-Rente über eine Nachversicherungsgarantie ist kein eigener Weg ohne Gesundheitsfragen, sie setzt bereits eine bestehende BU voraus und ist reine Erhöhung, kein Neuabschluss. Die BU-Option ist etwas anderes: Sie ermöglicht den kompletten Neuabschluss einer eigenständigen BU-Versicherung, ohne dass zu diesem späteren Zeitpunkt erneut Gesundheitsfragen gestellt werden.

    Zwei Varianten sind am Markt relevant. Erstens die BU-Option innerhalb einer Grundfähigkeitsversicherung: Diese ist bereits ab dem 6. Lebensmonat abschließbar und lässt sich später in eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung wandeln, ohne erneute Gesundheitsprüfung. Wer den frühestmöglichen Einstieg für sein Kind ab dem 6. Lebensmonat sichern möchte, kann dies über die Alte Leipziger oder BarmeniaGothaer tun.

    Bei älteren Kindern kommen dann weitere Grundfähigkeitsversicherungen von unter anderem der Helvetia, der Hannoverschen, der Bayerischen, der Nürnberger und weiterer Anbieter hinzu.

    Wichtig dabei: Im Detail unterscheiden sich die Optionen bei der späteren Ausübung teilweise deutlich, bei der Frage, wann die Umwandlung möglich ist (das ist oftmals beitragsrelevant), und wie hoch die maximale BU-Rente zum Beginn sein darf.

    Zweitens die BU-Option innerhalb einer Kinderrente: bei der LV 1871 etwa im Tarif 'MEIN Plan Kids', über die Universa im Tarif 'Tip-Top Tabaluga', bei der Nürnberger in der Kinderrente 'Vermögensaufbau4Kids', früher unter dem Namen 'Biene Maja' bekannt. Diese Verträge sind teilweise bereits ab der Geburt abschließbar, die eingebettete BU-Option lässt sich zu einem späteren, vertraglich definierten Zeitpunkt ziehen und führt dann zu einer eigenständigen BU-Versicherung ohne neue Gesundheitsfragen.

    Dabei gibt es teilweise deutliche Unterschiede beim Zeitpunkt der Ausübung der BU-Option, bei der Höhe der BU-Rente zu Beginn und sogar bei den dann enthaltenen Nachversicherungsgarantien, die in einigen Konzepten eingeschränkt sind.

    Unser Urteil: Von allen Wegen dieser Seite ist die BU-Option der einzige, der potenziell zu einer wirklich vollwertigen, hohen BU-Rente ganz ohne Gesundheitsfragen führen kann, nicht nur zu einem kleinen Baustein wie die Beitragsübernahme für die Altersvorsorge im Fall der BU.

    Der Preis dafür ist Zeit: Die Entscheidung müssen Sie für Ihr Kind treffen, und die Gesundheitsfragen fallen bereits bei Abschluss der Option oder der Grundfähigkeitsversicherung an. Hat Ihr Kind dann schon Vorerkrankungen, kann der Abschluss einer solchen Option unmöglich werden.

    Ein positiver Nebeneffekt bei den Optionen im Rahmen der Rentenversicherung: Nach Umwandlung in eine spätere BU-Police ist der Großteil der zehnjährigen Prüfungszeit für die vorvertragliche Anzeigepflicht schon abgelaufen, sodass es im Leistungsfall erheblich schneller geht, als wenn Ihr Kind erst später eine BU abschließt und die Gesundheitsfragen dann von Grund auf neu beantworten muss.

    Grenzen und Fallstricke

    Wann ist eine BU ohne Gesundheitsfragen die schlechtere Wahl?

    Kurz zusammengefasst: Eine BU ohne Gesundheitsfragen kann ein einfacher und unkomplizierter Weg sein, insbesondere die BU-Option für Kinder im Rahmen einer Kinderrente oder einer Grundfähigkeitsversicherung. Für alle ab dem 6. Lebensjahr gilt jedoch: Bereits ab diesem Alter lässt sich bei der LV 1871 eine BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen abschließen, weshalb vorher immer geprüft werden sollte, ob nicht eine solche Möglichkeit mit verkürzten oder sogar normalen Gesundheitsfragen die bessere Wahl ist.

    Die vier größten Fallstricke

    • Niedrige Höhen bei den Wartezeit-Modellen: Mit 250 bis 400 Euro lässt sich kein Einkommen ersetzen. Wer eine echte Absicherung braucht, kommt an einer Risikoprüfung in irgendeiner Form nicht vorbei, und sei es nur eine Dienstobliegenheitserklärung.
    • Die BU-Option muss rechtzeitig gezogen werden: Wer den Zeitpunkt verpasst, verliert den Anspruch auf den Neuabschluss ohne Gesundheitsfragen unwiederbringlich.
    • Anzeigepflicht gilt trotzdem: Auch wo nur eine oder wenige Fragen gestellt werden, müssen diese vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Weniger Fragen bedeuten nicht weniger Sorgfalt.
    • Weniger Erhöhungsmöglichkeiten: Tendenziell gilt: Je weniger Gesundheitsfragen gestellt werden, desto unwahrscheinlicher ist es, die BU-Rente später über eine Nachversicherungsgarantie zu erhöhen. Das gilt allerdings nicht für alle Tarife, weshalb Sie vorher genau ins Kleingedruckte schauen sollten.

    Unser Urteil: In unserer Beratung prüfen wir jeden Fall individuell, ob eine BU mit Dienstobliegenheitserklärung anstelle der Gesundheitsfragen möglich und sinnvoll ist, ob Aktionen mit vereinfachten Gesundheitsfragen besser passen oder ob sich sogar eine pseudonymisierte Risikovoranfrage lohnt.

    Wenn Sie Kinder haben, dann empfehlen wir grundsätzlich, so früh wie möglich über eine Grundfähigkeitsversicherung oder die BU-Option im Rahmen einer Kinderrente den Gesundheitszustand 'einzufrieren', damit Ihr Kind später wirklich eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen abschließen kann. Dabei sollten Sie zwingend die genauen Bedingungen der späteren Option beachten.

    Die Beitragsübernahme einer Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit ist ein 'No-Brainer' und lohnt sich in nahezu jedem Fall, ist aber kein Ersatz für eine echte BU-Police.

    Schade, dass Sie gehen möchten. Haben Sie nicht gefunden, was Sie suchen?

    Lassen Sie uns Ihre Fragen gerne persönlich klären. Wir freuen uns auf Sie!

    Termin vereinbaren